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DeepText: Facebook-Tool erkennt Inhalte von Texten

Das rasante Voranschreiten von Digitalisierung und automatisierter Kommunikation ermöglicht es Facebook, die Interessen seiner Nutzer immer treffsicherer einzuschätzen und genau daraus Geld zu machen. Das Tool DeepText macht es dem Konzern jetzt noch leichter.

Ursprünglich im Jahr 2004 für Studenten an der Harvard University gegründet, gilt Facebook heute mit mehr als zwei Milliarden Nutzern als das größte soziale Netzwerk. Das Portal zählt über 1,4 Milliarden aktive User monatlich. Welchen Preis man mit einer Mitgliedschaft auf Facebook zahlt, wissen die Wenigsten.

 

Nur drei Prozent würden den AGBs erneut zustimmen

Welche personenbezogenen Daten man mit einem Facebook-Account preisgibt, ist nur einem Bruchteil der Nutzer bewusst, wie eine Umfrage eindrucksvoll belegt: Von 1019 befragten Facebook-Nutzern wussten 43 Prozent nicht, wozu sie Facebook bei ihrem Beitritt mit der Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen bevollmächtigt haben.

 

Viele der befragten Personen reagierten empört darüber, dass Facebook sowohl ihren Namen als auch ihre Bilder für Werbeanzeigen zweckentfremden oder persönliche Informationen zugunsten von Produktentwicklungen verwenden darf. Gerade einmal jeder Zehnte gab an, der Nutzung von Namen, Profilbild und anderer persönlicher Informationen zu Werbezwecken in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eingewilligt zu haben.

 

Außerdem waren sich die meisten Befragten nicht darüber im Klaren, dass persönliche Daten in die USA oder an öffentliche Behörden übermittelt werden.

Nur drei Prozent der befragten Personen würden den Bedingungen in dieser Form erneut zustimmen.

 

Wie viel Facebook eigentlich über seine Nutzer weiß, verrät ein Exkurs in die Forschung: In Großbritannien konnten Forscher das Geschlecht, die sexuelle Orientierung sowie die Religionszugehörigkeit von Nutzern einzig anhand ihrer „Gefällt mir“-Angaben recht genau ermitteln.

 

Nutzer liefern Informationen, Facebook liefert Werbung

Auf der Website der EU-Initiative Klicksafe heißt es: „Facebooks Geschäftsmodell basiert im Wesentlichen darauf, eine Plattform für personalisierte Werbung zu sein. Je besser Facebook seine Mitglieder kennt, desto besser kann es anderen Unternehmen Anzeigen verkaufen, die zielgenau auf den Bildschirmen potenzieller Kunden landen.“

 

Konkret bedeutet das, dass Facebook die personenbezogenen Daten seiner User nutzt, um Einnahmen über Werbung zu generieren. Dazu werden die Nutzer in Zielgruppen sortiert, die sehr kleinteilig definiert werden können und sich unter anderem aus Aspekten wie dem höchsten Bildungsabschluss, dem Monatseinkommen und dem Besitz von Immobilien zusammensetzen.

 

Auch ob und wann man zuletzt Kleidung online geshoppt hat oder ob im Freundeskreis demnächst ein Geburtstag ansteht, sind Faktoren, die auf die Zuordnung zur entsprechenden Zielgruppe Einfluss nehmen. Daraus ergibt sich, dass die geschalteten Anzeigen genauestens auf die Interessen der entsprechenden Zielgruppen zugeschnitten sind. Es sind rund 1.300 Merkmale bekannt, die Facebook nutzt, um seinen Nutzern zielgerichtet Werbung anzuzeigen.

 

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg warnt:

 

„Facebook besitzt mehr Informationen, als man bewusst angibt. So kann beispielsweise der Standort durch die IP-Adresse, GPS oder andere Standortdaten ausgelesen und mit anderen Informationen verknüpft werden. So erhält man Werbung für lokale Mietwagen unter Umständen nur im Urlaub angezeigt, da Facebook erkennt, dass der Nutzer oder die Nutzerin sich nicht in der Heimatregion befindet.“

DeepText versteht Texte genauso gut wie das menschliche Gehirn

 

Am 1. Juni 2016 hat Facebook auf seinem Entwicklerblog bekanntgegeben, ein System zur Verarbeitung natürlicher Sprache erstellt zu haben. Das neue Tool DeepText basiert auf Deep Learning, einer Methode des maschinellen Lernens, die künstliche neuronale Netze einsetzt. Facebook verspricht, dass das Tool „mit nahezu menschlicher Exaktheit“ die kontextuelle Bedeutung von mehreren Tausend Posts pro Sekunde erkennen kann.

DeepText soll selbstständig lernen und sogar in der Lage sein, Slangs und Dialekte in über 20 Sprachen zu verstehen. So soll das System beispielsweise allein aus dem Bezugsrahmen ableiten können, ob es sich bei der Aussage „I like blackberry“ um die Frucht oder um das Gerät handelt.

Ziel des Tools ist es, die Interessen der Nutzer noch besser zu erkennen und die angebotenen Inhalte darauf abzustimmen: "Zu verstehen, wie Text auf Facebook benutzt wird, kann uns helfen, das Nutzererlebnis unserer Produkte zu verbessern, egal, ob wir mehr Inhalte zeigen, die Nutzer sehen wollen, oder unerwünschte Inhalte wie Spams herausfiltern", heißt es in dem Blogeintrag.

Was erst einmal ziemlich progressiv klingt, könnte für Datenschutzbemühungen einen enormen Rückschlag bedeuten. Denn das „Nutzererlebnis zu verbessern“ bedeutet auch, eine gezielte, personalisierte Werbung zu erleichtern.

Inwiefern das Schalten von Werbeangeboten durch DeepText optimiert wird, demonstrieren die Autoren des Blogeintrags am Beispiel einer Konversation im Facebook Messenger. Ein Nutzer schreibt in einem Chat, dass er ein Taxi braucht. Nun kann Facebook dem Nutzer ein Taxiunternehmen in der Nähe vorschlagen. Facebook gibt an, diese Methode bereits einzusetzen, um die Absichten von Nutzern anhand ihrer Privatchats herauszufinden. Schreibt ein Nutzer etwa „Ich will ein Fahrrad für 200 Dollar verkaufen“, erkennt DeepText zunächst die Absicht eines Verkaufs und extrahiert wichtige Informationen wie den Preis und das Objekt, um das es sich handelt. Facebook kann den Nutzer daraufhin auf bestehende Tools hinweisen, mit denen er diesen Verkauf abwickeln könnte.

Selbstverständlich profitieren Unternehmen vom neuen Tool. Ihre Produkte werden vielversprechender vermarktet und gleichzeitig können Übersetzungskosten bei der Bewerbung von Produkten eingespart werden, denn das Tool übernimmt die Übersetzung gleich mit.

 

Spiel mit gezinkten Karten

 

In der Vergangenheit hat sich Facebook häufig wegen Datenskandalen und Sicherheitslücken verantworten müssen. Zuletzt sorgte die Affäre um die Datenfirma Cambridge Analytica, die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern missbrauchte, für mediale Aufmerksamkeit.

 

Zwar verkauft Facebook offiziell keine Nutzerdaten an Dritte, doch Recherchen haben ergeben, dass Facebook eine Menge fragwürdiger Abkommen mit anderen Riesen wie Yahoo, Spotify und Netflix geschlossen hat. Im Dezember 2018 veröffentliche die New York Times einen umfangreichen Bericht, aus dem hervorgeht, dass Facebook mit mehr als 150 Firmen Daten-Deals geschlossen haben soll. Für einige Firmen galten jahrelang Sonderregelungen, darunter unter anderem Spotify, Netflix, Sony, Microsoft, Apple und Amazon. So hatte beispielsweise Yahoo über Jahre hinweg Zugriff auf Postings von Freunden eines Nutzers, im Zusammenhang mit einer Funktion, die das Unternehmen offiziell bereits 2011 eingestellt hatte.

 

Außerdem sollen Spotify und Netflix beispielsweise Lese-, Schreib- und Löschberechtigungen für die Privatnachrichten von Facebook-Usern innegehabt haben. Microsoft und Amazon haben pro Monat die Daten, einschließlich E-Mail-Adressen und Telefonnummern, von mehreren Hundert Millionen Menschen erhalten – selbst wenn die Nutzer zuvor keiner einzigen dritten App auf Facebook bewusst eine Datenübernahme genehmigt hatten. Dabei handelte es sich mitunter um mehr Daten als Cambridge Analytica erhalten hatte.

 

Facebook konnte sich unter anderem an den Daten aus Kontaktlisten von Amazon, Yahoo und Huawei bereichern. So konnte die Funktion „Personen, die du kennen könntest“ verbessert werden. Ziel der 2010 geschlossenen Deals war es, vom gegenseitigen Austausch zu profitieren und zu wachsen, Geld floss dabei nicht. In Kraft waren die Deals zumindest offiziell bis 2017, die Nutzer wurden über keinen der Deals in Kenntnis gesetzt.

 

Zoe-Maria Steinberger

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