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Was ist Roboterjournalismus?

 

Unter Roboterjournalismus versteht man eine Software, die automatisch aus Datensätzen Artikel verfasst. Dies funktioniert dank eines Algorithmus. Er befindet sich im Quellcode der Software und stellt eine Reihe eindeutig definierter Handlungsanweisungen dar. Am Ende dieser Handlungskette soll ein Artikel in möglichst natürlicher Sprache entstehen. Algorithmen, die dazu imstande sind, nennt man Natural Language Generation (NLG) Software.

NLP, NLG und NLU

 

Natural Language Processing (NLP) gehört zu dem großen Feld der Künstlichen Intelligenz (KI). Unter den Begriff fallen alle Technologien, die mit der Verarbeitung von natürlicher Sprache zu tun haben. NLP kann in zwei Teildisziplinen unterteilt werden:

 

Natural Language Understanding (NLU) ermöglicht, dass Maschinen natürliche Sprache verstehen können. Dies ist beispielsweise eine nötige Voraussetzung für Virtuelle Sprachassistenten und Chatbots.

 

Natural Language Generation (NLG) ermöglicht, dass Maschinen natürliche Sprache automatisiert erzeugen können. Dabei werden strukturierte Daten in leserfreundliche Texte umgewandelt. NLG wird im Bereich Roboterjournalismus, bei der automatisierten Erstellung von Produktbeschreibungen und für Chatbots eingesetzt.

Die Anfänge des Roboterjournalismus

 

Der Roboterjournalismus selbst ist ein recht junges Phänomen. Die Idee, Texte automatisiert herstellen zu lassen, gibt es aber schon länger. Bereits 1963 gab es ein Programm namens Baseball, welches einfache Antwortsätze auf Fragen zu Baseballspielen formulierte. Eine der ersten kommerziellen NLG-Anwendungen war der Forecast Generator. Die 1992 gestartete Software generierte längere Wettervorhersagen in Englisch und Französisch für das kanadische Umweltministerium.

 

Die Geburtsstunde von Automated Insights

 

Im Jahr 2007 gründete Robbie Allen das Unternehmen Automated Insights. Auf dem Portal, das damals noch StatSheet hieß, konnten Nutzer automatisch generierte Sportberichte finden. Von College Basketball-Spielen wurde der Fokus auf andere Sportarten ausgedehnt. Heute zählt das Unternehmen zu den wichtigsten Anbietern von NLG-Software. Neben Sportberichten bietet es mittlerweile auch Finanzberichte und Produktbeschreibungen an. Aufsehen erregte das Unternehmen als 2014 eine Zusammenarbeit mit der weltgrößten Nachrichtenagentur Associated Press (AP) angekündigt wurde. Für diese schreibt Automated Insights Sport- und Finanzberichte. Die Zahl der Finanzberichte bei AP steigerte sich dadurch von 300 auf über 4000 Berichte pro Quartal. Außerdem arbeitet Automated Insights mit Yahoo zusammen, für deren Fußball-Online-Spiel sie bereits über 70 Millionen fiktive Sportberichte geschrieben haben. Die von ihnen dafür entwickelte Textgenerierungs-Plattform nennt sich Wordsmith.

Quill, Quakebot und Heliograf – Der amerikanische Markt

 

Auch der 2010 gegründete Konkurrent Narrative Science bietet seinen Kunden eine solche Plattform an. Quill schrieb Börsen- und Finanzberichte für das Forbes-Magazin. Heute findet die Software aber zumeist in Unternehmen Verwendung. Wie die Konkurrenz begann auch Narrative Science im sportjournalistischen Bereich.

 

Einer breiteren Fachöffentlichkeit wurde der Roboterjournalismus auch durch den 2011 entwickelten „Quakebot“ ein Begriff. Dieser von der LA Times entwickelte und eingesetzte Algorithmus schreibt Meldungen zu Erdbeben. Die dafür nötigen Daten stammen vom U.S. Geological Survey. Setzt dieses einen Alarm ab, beginnt der Algorithmus mit der Textgenerierung. Die Redakteure müssen die Meldung nur noch veröffentlichen. Dies spart Zeit, die womöglich Leben retten kann.

 

Auch die Washington Post hat selbst einen NLG-Algorithmus entwickelt. Erstmals eingesetzt wurde die Heliograf genannte Software während der Olympischen Spiele 2016.

 

Entwicklungen am deutschen Markt

 

Mittlerweile gibt es auch in Deutschland einige Unternehmen, die NLG-Software entwickeln. Ähnlich wie die Konkurrenz in den USA, sind ihre Kunden überwiegend nicht-journalistische Unternehmen. Im Journalismus beliefern sie Kunden vor allem mit Sport- und Finanzberichten.

 

Überblick über deutsche NLG-Entwickler und ihre Kunden:

 

Wohin die Reise geht

 

Auch wenn der Roboterjournalismus ein recht neues Phänomen ist, hält er zunehmend Einzug in die Medienbranche. Vor allem in den Bereichen Sport, Wirtschaft und Klima gibt es immer mehr Anwendungen. Betrachtet man die Zunahme der weltweiten Datenmengen, wird klar: Das Thema wird weiter an Relevanz gewinnen. Dennoch sind auch Ängste, Zweifel und kritische Fragen zu vernehmen. Wird der Roboterjournalismus Arbeitsplätze zerstören? Wie verändert sich journalistisches Arbeiten durch ihn? Und wo liegen seine Grenzen? Noch hinken Algorithmen hinterher, wenn es um zentrale journalistische Fähigkeiten geht: kritisch hinterfragen, komplexe Sachverhalte verstehen, neue Ideen formulieren. Es wird sich zeigen, ob Maschinen den Menschen auch in diesen Bereichen eines Tages entbehrlich machen.

 

Lena Daume

Die Geschichte des Roboterjournalismus

Im Zeitalter der Digitalisierung übernehmen zunehmend Roboter die täglichen Aufgaben des Menschen. Kochen, putzen, Rasen mähen. Auch im Journalismus tauchen Roboter auf. Doch was genau ist eigentlich Roboterjournalismus? Wo nahm er seinen Ursprung? Und welche Anbieter gibt es heutzutage – in den USA aber auch in Deutschland?

Papier und Stift, dann die Schreibmaschine, später der Computer. Die Arbeitsgeräte der Journalisten haben sich drastisch verändert. Was blieb waren die Menschen, die diese Geräte bedienten – von ihnen stammten die Worte. Heute übernehmen zunehmend Roboter auch diesen Teil des journalistischen Arbeitens.

Digitalisierung und Big Data

 

Die Arbeit mit dem Computer ist im Zeitalter der Digitalisierung unverzichtbar geworden. Vor allem die stetig ansteigenden Unmengen an Daten stellen den Menschen vor neue Herausforderungen. Eine Prognose der International Data Corporation (IDC) und Seagate nennt beeindruckende Zahlen. Die weltweite Datenmenge soll bis 2025 auf 175 Zettabyte ansteigen. Zum Vergleich: Ein Zettabyte sind eine Milliarde Terabyte.

Maschinen, die Bücher schreiben, Fragen beantworten und journalistische Artikel verfassen. Die Forschung im Bereich künstliche Intelligenz hat in den letzten Jahren massive Fortschritte gemacht. Deswegen haben wir bei KI-Koryphäe Kristian Kersting nachgefragt: Sollten die Journalisten von Morgen Angst vor der Übernahme der Maschinen haben?

KI-Forscher Kersting

über die Zukunft des Journalismus

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Unser neuer Redaktions-Kollege, der Heliograf

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