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Deine Nachrichten - ausgewählt von künstlicher Intelligenz

Wer wählt eigentlich meine Nachrichten aus? Wer bestimmt, über was ich informiert werde? Dies machen zum Beispiel automatisierte Nachrichtendienste wie Upday von Samsung.

Zu Zeiten Gutenbergs wurde der Zugang zu Informationen durch weltliche und kirchliche Instanzen eingeschränkt. Er war eingeschränkt auf wenige Eliten. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich der Medien- und Nachrichtenmarkt zu dem entwickelt, wie wir ihn kennen aktuell kennen.

 

Heute haben wir mit gegenteiligen Problemen zu kämpfen. Täglich werden wir von einer Masse an Nachrichten und Information überflutet. Welche Nachrichten uns erreichen lässt sich durch die Nachrichtenwerttheorie erklären.

 

Nachrichtenwerttheorie

 

Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Entscheidungen von Journalisten: Was wird zur Nachricht, was nicht? In ihrer Ausbildung lernen sie, die richtigen  Nachrichten auszuwählen. Der Relevanz einer Nachricht wird durch die Aktualität und Faktoren der Ereignisebene sowie Faktoren der Medienebene bestimmt. Faktoren der Ereignisebene werden auch Nachrichtenfaktoren genannt. Merkmale, die ein Ereignis annehmen kann. Somit fungiert der Journalist/ die Journalistin als „Gatekeeper“ und entscheidet, welche Nachrichten publiziert werden.

 

Beispiele für einige Nachrichtenfaktoren:

 

  • Überraschung

  • Neuigkeit

  • Schaden

  • Nähe

  • Tragweite

 

Automatisierte Nachrichtenauswahl

 

Durch das Internet und Social Media hat sich der mediale Diskurs und das Mediennutzungsverhalten zum Teil radikal verändert. Rezipienten haben heute vielfältige Möglichkeiten, über digitale Kanäle an Nachrichten und Informationen heranzukommen sowie an öffentlicher Kommunikation teilzunehmen. Klassische Medien, und damit Journalist/innen, haben ihr Monopol als Gatekeeper längst verloren. Es gibt heute zum Beispiel immer mehr Menschen, die ihren Nachrichten ausschließlich über Links und Infohäppchen in ihrer Facebook-Timeline konsumieren. Was dort nicht auftaucht, wird nicht wahrgenommen. So wurde Facebook zu ihrem Nachrichten-Gatekeeper.

 

Parallel entwickelt sich für viele der Wunsch, sich nach eigenen, subjektiven Selektionskriterien zu informieren.

 

Doch wer übernimmt die Aufgabe, den Überschuss an Nachrichten zu filtern? Zunehmend machen dies künstliche Intelligenzen. Algorithmen, die für diese Aufgabe programmiert sind. Doch schafft es künstliche Intelligenz, den individuellen Informationsbedarf besser zu bedienen, als professionell ausgebildete Journalisten? Wie laufen diese automatisierten Vorgänge ab? Woher weiß die Maschine, was der User will?

 

So lernt künstliche Intelligenz

 

Solche KI-gestützten Angebote besitzen künstliche neuronale Netze, welche sie lernfähig machen. Dank dieser Netze sind sie zu Assoziationen fähig und können Muster erkennen. Dafür werden sie mit einer Vielzahl an Daten trainiert. Sie erlernen, aus Beobachtungen im Umgang mit Datenströmen, Regeln abzuleiten. Auf Basis dieses Wissens können sie neue Daten interpretieren und Zusammenhänge zu erkennen. Auch klar: Diese Systeme und ihre Algorithmen sind jeweils nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeiten.

 

Automatisierte Nachrichtendienste

 

Automatisierte Nachrichtendienste nutzen solche künstlichen Intelligenzen. Durch das Angeben persönlicher Interessen werden Nachrichtenströme im Internet auf die Rezipienten zugeschnitten. So scheint eine Möglichkeit gegeben, die Wünsche der Nutzer zu erfüllen: Nachrichten nach den eigenen Interessen erhalten, ohne aufwändige Selektionsarbeit. Ein Beispiel für solch automatisierte Nachrichtendienste ist Upday von Samsung. Eine kostenlose App, die folgendes verspricht:

Upday von Samsung

 

upday liefert dir personalisierte News aus hunderten hochwertigen Quellen direkt auf dein Galaxy Smartphone.

 

• Gib deine persönlichen Interessen an, um den perfekten Mix der für dich relevanten Artikel zu bekommen.


• Die App lernt selbstständig, welche Nachrichten dich besonders interessieren und verfeinert mit der Zeit die Auswahl. 

Rolle des Lesers

 

Können künstliche Intelligenzen diese Versprechen einhalten? Apps wie Upday geben das Gefühl, die Nachrichtenauswahl würde gänzlich dem Nutzer überlassen. Durch das Auswählen von persönlichen Interessen legt der Nutzer anstelle des Journalisten seine Nachrichten-Agenda fest. Die entscheidende Gatekeeper Rolle wandert damit nicht vom Journalisten zum Leser, sondern zur Software. Zum Beispiel zu Upday von Samsung. Elektronische, automatisierte Gatekeeper entscheiden, was es durch die Nachrichtenschleuse schafft.

 

Problem der automatisierten digitalen Gatekeeper

 

Ob solche Gatekeeper Nachrichtenwerte ermitteln können, ist anzuzweifeln. Sie selektieren nicht nach den gleichen Kriterien wie professionelle Journalisten. Sie folgen einfacheren Mustern wie beispielsweise Schlagwort-Abfragen.

 

Durch dieses Auswahlverfahren wird Clickbaiting relevanter. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird durch übertrieben emotionalisierte Headlines erregt. Doch meist entspricht der Inhalt nicht dem, was die Headline verspricht und hat keinen Mehrwert für den User. Die Nachrichten-Auswahl-KI wählt Artikel aus, die aufgrund bestimmter Schlagworte ohnehin schon viel Aufmerksamkeit erlangen. Gepusht wird, was sich „gut verkauft“. Problematisch: Nischenthemen oder gesellschaftlich relevante Themen werden hierbei gegeben falls nicht mehr aufgegriffen und ausgefiltert.

 

Datenschutz

 

Um Nachrichten auf das persönliche Interesse zuschneiden zu können wird eine kritische Menge an Daten benötigt. Die künstliche Intelligenz lernt aus den Informationen und Klicks der User. Eine große Menge an persönlichen Daten verschafft Unternehmen wie Facebook oder Samsung daher einen Wettbewerbsvorteil. Je mehr Information über den Rezipienten, desto besser lässt sich die automatisierte Nachrichtenauswahl optimieren.

 

Dies erfordert Vertrauen seitens des Lesers. Denn der Umgang mit sensiblen Daten erfordert angemessenen Datenschutz. Facebook-Datenschutz-Skandale in Zusammenhang mit Cambridge Analytics zeigen die Gefahren und wie schnell das Vertrauensverhältnis in einen Anbieter auch wieder kippen kann.

Maschinelle Filter Bubble

 

Medien haben in der Demokratie die Aufgabe, ausgeglichen und objektiv zu berichten. Auf dieser Grundlage soll sich der Mediennutzer und Bürger eine Meinung bilden können. Doch Maschinen spiegeln nicht diese Vielfalt und Absichten wider, sondern Erlerntes. So wird sie journalistischen Anforderungen und Arbeitsweisen nicht gerecht. Dadurch kann ein falsches, verzerrtes Bild über das tatsächliche Meinungsklima entstehen, was Polarisierungstendenzen fördern kann.

 

Fazit

 

Neue Technologien haben die Medien schon immer verändert und waren wichtig für deren Fortschritt. Automatisierte Nachrichtenauswahl bringt viele Vorteile mit sich: personalisierte Nachrichten und weniger Zeitaufwand im Umgang mit großen Datenmengen. Doch neueste Entwicklungen bergen auch Risiken. Von großer Bedeutung bei diesen neu entstehenden Angeboten ist, welchen sogenannten Datensatz man als Lerngrundlage für die künstliche Intelligenz verwendet. 

Wichtig ist es, Effekten wie Clickbaiting, Filter-Bubble etc. entgegenzuwirken um das mediale Angebot durch Nachrichten-Auswahl-KI optimieren zu können.

Luise Emelie Bill

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