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VORWORT

Nur 3 Prozent haben sehr gute Kenntnisse über KI-Anwendungen in der PR! Das ergab eine Befragung der University of Southern California unter 210 CEOs, 1.583 PR-Professionals und 378 Studierenden in den USA. Die hierbei befragten Studenten im Bereich Communication and Journalism wagen im Übrigen eine steile Prognose: 46 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass derartige neue Technologien in der Kommunikationsbranche in Zukunft wichtiger seien als der Mensch.

Für mich waren diese widersprüchlich wirkenden Ergebnisse starke Beweggründe, im Wintersemester 2019/2020 ein Seminar anzubieten zum Thema „Automated Communications“. Das Ergebnis der Arbeiten von 23 Studentinnen und Studenten im Bachelor-Studiengang Publizistik am Institut für Publizistik der Universität Mainz ist diese Themenwebsite.

Marketing Technology Landscape Copyright: Scott Brinker

Handlungsfeld Automated Communications

  • Gab es in 2011 gerade mal 150 Software-Lösungen für automatisierte Kommunikation, ist die Zahl der Anbieter bis 2019 auf über 7.000 geradezu explodiert.

  • Vodafone Deutschland will durch den Einsatz von automatisierter Sprachsteuerung in der Kundenkommunikation 35 Mio. EUR einsparen – im Monat.

  • Während Dax-Konzerne wie Siemens längst mit KI-gestützten Bots in der internen und externen Kommunikation arbeiten, suchen Kommunikationsagenturen noch ihren Halt auf dieser neuen Technikwelle.

  • Medienhäuser weltweit investieren in Softwares, die journalistische Tätigkeiten unterstützen oder neuen Content gleich automatisch erstellen.

  • Die einen Auguren prophezeien den Wegfall tausender Arbeitsplätze, die anderen frohlocken über den Wegfall eintöniger Arbeiten.

Gerade der letzte Punkt lohnt einen zweiten Blick. Wie immer in Zeiten technologischer Umbruchsituationen überschlagen sich überaufgeregte Futurologen und schlaue Softwareverkäufer mit maßlos überzogenen positiven Arbeitsplatzszenarien. Einfache, standardisierte, eintönige und lästige Aufgaben übernehmen künftig Algorithmen und KI. Dadurch gewinnen die Mitarbeiter Zeit für kreative, anspruchsvolle, konzeptionell-strategische Aufgaben. Das wird eine tolle neue Welt. Jobkillereffekte aus früheren Technologieumbrüchen werden vielfach naiv ausgeblendet.

Aber was, wenn die CFOs die Chance nutzen, dabei eben doch auch Personal zu reduzieren? Dann arbeiten weniger Leute genauso gehetzt wie heute. Strategischer vielleicht, noch effektiver vielleicht, aber eben ohne ihre ehemaligen Kollegen.

Allein aus diesen wenigen Facetten wird deutlich, warum dieses Handlungsfeld in Theorie & Praxis an Bedeutung gewinnt. Es braucht inhaltliche Tiefe, Auseinandersetzung, Debatten, um hierzu Orientierung, Strategien und Haltung zu entwickeln.

Kritisches Urteilsvermögen bilden

Junge Akademiker an der Schwelle zum Berufseinstieg sollten sich damit zwingend auseinandersetzen und ein kritisches Urteilsvermögen bilden. Es braucht eine digitale Mündigkeit, die einhergeht mit der Fähigkeit, die richtigen und auch die unangenehmen Fragen zu stellen. Nur so können sie später in ihren Jobs Entscheidungen in diesem Kontext versiert vorbereiten und treffen.

Automated Marketing und Communication eröffnen Chancen und Risiken gleichermaßen. Auf der einen Seite geht es um das ewige Streben, durch Innovationen und Geschwindigkeit Vorteile zu erzielen. Auf der anderen darum, dabei die möglichen Nachteile und Störgeräusche zu berücksichtigen. Es geht um große Fragen wie Haltung, Menschenbild, Unternehmensphilosophie.

Die Semester-Aufgabe

 

Das habe ich gefordert: „Beschreiben Sie und hinterfragen Sie kritisch die Entwicklungen im Bereich der Automatisierten Kommunikation.“ Die Studenten sollten sich in den Themenkomplex einarbeiten und im Rahmen des gemeinsam entwickelten Themen- und Redaktionsplans facettenreiche, fundierte, meinungsstarke, kritische Beiträge erstellen.

Dabei standen Fragen im Mittelpunkt wie: Wie entstehen künftig die Inhalte für PR / Unternehmenskommunikation? Wie wird Kommunikation geplant, gemessen, gesteuert? Was wird dabei von Maschinen, Bots und Robotern übernommen? Wie verändern neue Formen und Methoden der automatisierten Kommunikation die Berufsfelder in der PR / Unternehmenskommunikation, im Journalismus und in den Medien?

Für die Umsetzung konnten alle journalistischen Stilformen eingesetzt werden, von Reportage über Kommentar bis Interview.

Die Recherchen

 

Dann zogen sie los. Telefonierten mit Unternehmen, schrieben Mails an Menschen und Maschinen, führten Interviews mit unausgereiften Bots und renommierten Professoren, befragten Siri und Alexa, schrieben über ihre Erfahrungen in Afrika, machten Fotos, Visual Statements und bauten einen eigenen Chatbot.

Jeder stellte seine Themenentwürfe der Gruppe vor. Das gegenseitige Feedback war offen, direkt, kollegial, hilfreich.

Diese Microsite

Drei Seminarteilnehmer haben sich die Aufgabe geschnappt, die Artikel der Kommilitonen in eine kleine Website zu überführen und somit Interessierten zugänglich zu machen. Sie haben Baukasten-Anbieter recherchiert, Design-Templates getestet, verglichen und angepasst.

Entstanden ist dabei dieses nicht-kommerzielle Informationsangebot rund um „Automated Communications“, das am 7. Februar 2020 live ging, und für 12 Monate im Netz stehen bleiben soll.

Das Ergebnis

Die Ergebnisse der Beiträge sind natürlich so heterogen wie die Gruppe selbst. In Summe ergeben sie einen spannenden Einblick in die Wahrnehmungen und Meinungen von 23 künftigen Kommunikationsexperten zu diesem Zukunftsthema. Lesenswerte Erkenntnisse für (angehende) Journalisten, Medienmacher, Kommunikatoren sowie Kommunikationsberater.

Das Engagement der Studentinnen und Studenten in diesem Semester war absolut vorbildlich. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle nochmal bedanken!

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Disclaimer gendergerechte Sprache:

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird hier in allen Beiträgen die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.

© 2020 Seminar Automated Communications